Fischaugen im Schellack stoppen: Silikon auf Kiefernmöbeln

· von Hannah Schmidt · 4 Min. Lesezeit

Fischaugen im Schellack stoppen: Silikon auf Kiefernmöbeln

Fischaugen im Schellack: Ursachen erkennen und wirksam beheben

Fischaugen im Schellack sind kleine, kraterförmige Vertiefungen, die beim Auftragen der Politur wie aus dem Nichts auftauchen. Meist steckt Silikon dahinter, Rückstände aus alter Möbelpolitur, die sich besonders in antiken Kiefernmöbeln festgesetzt haben. Die gute Nachricht zuerst: Mit der richtigen Reinigung, ein paar gezielten Handgriffen und etwas Geduld lassen sich Fischaugen vermeiden und bestehende Schäden reparieren.

Was sind Fischaugen und warum entstehen sie?

Fischaugen entstehen, wenn die Oberflächenspannung des Schellacks durch Fremdstoffe im Holz gestört wird. Silikon aus handelsüblichen Möbelpolituren, etwa Pledge, Olibri oder vergleichbaren Produkten, dringt tief in die poröse Struktur von Kiefernholz ein. Mit einem feuchten Lappen ist da nichts mehr zu machen. Sobald Sie Schellack auftragen, zieht sich die Flüssigkeit an genau diesen Stellen zurück und bildet kleine kreisrunde Krater, die typischen Fischaugen eben.

Bei antiken Kiefernmöbeln taucht das Problem auffällig oft auf, aus mehreren Gründen:

Woran erkennt man eine Silikonkontamination?

Bevor Sie überhaupt zum Pinsel greifen, lohnt sich ein kurzer Test, der keine fünf Minuten kostet:

  1. Tragen Sie eine dünne Schicht Schellack auf eine unauffällige Stelle auf.
  2. Beobachten Sie die Oberfläche nach 1 bis 2 Minuten.
  3. Bilden sich kleine kreisrunde Vertiefungen, liegt eine Silikonkontamination vor. Punkt.

Schritt-für-Schritt: Silikon gründlich entfernen

Ein oberflächliches Abwischen reicht nicht aus, so einfach ist das leider nicht. Silikon muss chemisch gelöst und regelrecht aus den Holzporen herausgezogen werden.

1. Grobreinigung

Wischen Sie die Oberfläche zunächst mit einem fusselfreien Tuch und einem silikonlösenden Reiniger ab, zum Beispiel:

Wechseln Sie das Tuch häufig. Wer immer wieder dasselbe Tuch benutzt, verteilt das gelöste Silikon nur neu, statt es loszuwerden.

2. Mehrfaches Abwaschen

Einmal reicht so gut wie nie. Wiederholen Sie den Vorgang mindestens drei- bis viermal, Silikon sitzt oft tiefer, als man vermutet, vor allem bei weichem, altem Kiefernholz mit offenen Poren. Manche Stücke brauchen sogar fünf oder sechs Durchgänge, bis das Tuch wirklich sauber bleibt.

3. Abschleifen bei starker Kontamination

Bei hartnäckigen Fällen hilft nur noch mechanisches Abtragen:

Fischaugenvermeider – sinnvoll oder riskant?

Im Lackbereich gibt es sogenannte “Fish Eye Eliminators”, also Silikonzusätze, die man dem Lack beimischt, um die Oberflächenspannung anzupassen. Klingt paradox, Silikon gegen Silikonprobleme, funktioniert bei Profi-Lacken aber tatsächlich ganz gut. Bei Schellack ist dagegen Vorsicht geboten:

Bereits aufgetretene Fischaugen reparieren

Ist der Schaden schon da, kein Grund zur Panik. So gehen Sie vor:

  1. Lassen Sie die betroffene Schicht vollständig durchtrocknen, auch wenn die Ungeduld groß ist.
  2. Schleifen Sie die Fischaugen-Stelle glatt (Körnung 320 bis 400).
  3. Reinigen Sie erneut gründlich mit Naphtha.
  4. Tragen Sie eine neue, dünne Schellackschicht in mehreren leichten Zügen auf, statt sie in einem dicken Guss aufzutragen.

Vorbeugen für die Zukunft

Fazit

Fischaugen im Schellack sind ärgerlich, keine Frage, aber kein Grund zur Verzweiflung. Die Ursache liegt fast immer in Silikonrückständen aus früherer Möbelpolitur, die sich besonders hartnäckig in antikem Kiefernholz festsetzen. Mit gründlicher Reinigung durch Naphtha oder Isopropylalkohol, bei Bedarf leichtem Anschleifen und dünnen, mehrfach aufgetragenen Schellackschichten lässt sich das Problem in der Regel zuverlässig lösen. Und mit der richtigen Pflege bleibt es künftig ganz aus.

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